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Waldschenke Arche Noah

Die Geschichte der alten Waldschenke ,,Arche Noah“ am Fuße der Ruine Röthelstein in Hainburg an der Donau

Von Ferdinand Häringer und Karl Walek

Im Jahre 1907 eröffnete die Großmutter von Ferdinand Häringer, geb. Josefa KräupI, verwitwete Eisler, verh. Kreinzer in einer kleinen Holzhütte im Ausmaß von 4×4 Meter in der Nähe der Ruine Röthelstein ein Gasthaus. Die Hütte wurde als Mühlhütte bezeichnet. Im Jahre 1910 ertrank ein Offiziersschüler im Alter von 15 Jahren bei der Ruine Röthelstein. Noch heute erinnert ein Gedenkstein an dieses Unglück. Im Jahre 1912 wurde das Leitwerk für die Nebenarme gebaut, welches heute noch das Ufer mit dem Mitterhaufen – einer Insel in der Donau, verbindet. Die entstandenen Altarme wurden durch Buhnen in sogenannte „Kasteln“ geteilt. Dieser Bezeichnung wird heute noch von den Hamburgern verwendet.

Im Jahre 1936 wurde der Weg vom alten Lang-Haus vor den Tunnels bis zur Arche Noah in begehbaren Zustand versetzt und es wurden die sogenannten „Tunnels“ bei der Steinplatte an der Donau gesprengt.

Im September 1938 waren 18 Leute in der Arche Noah einquartiert, die am strohbedeckten Fußbo­-den schliefen. Die Soldaten gehörten dem Verein HIGA (Hilfsgrenzangestellte) an, welcher der deutschen Wehrmacht unterstellt war. Auch im Gasthaus „Zum Josefibergl“ (ehemals Sicker, später Csincsics) waren Leute einquartiert.

Die „Arche Noah“ wurde unter schwierigen Bedingungen geführt. Es gab kein Licht, kein Trink­wasser und keine Zufahrt. Die Getränke wurden auf der Donau per Zille bis zum Leitwerk gebracht, dort umgeladen und wieder per Zille im Altarm zum Gasthaus geführt. Im Jahre 1939 wurde die Petroleumlampe durch Maximlampen ersetzt. Nach Vorwärmen mit Spiritus wurde der Glühstrumpf erhitzt und nach Lufteinpumpen mit Petroleum gespeichert. Es gab wirklich gutes Licht, allerdings musste stündlich Luft nachgepumpt werden. Diese Lampen waren bis zur Schließung im Jahre 1964 in Betrieb.

Mit Trinkwasser gab es immer Probleme. Es wurde versucht, Wasser in Holzfässern zu transportieren, was sich aber nicht bewährte, da das Trinkwasser nach einigen Tagen ungenießbar war. So brachten Pensionisten (Stammkunden) in Milchkannen das notwendige Trinkwasser mit. Kühlung gab es keine, da kein Strom vorhanden und das Blockeis nicht alle Tage lieferbar war. Es wurde auch ab 1958 nicht mehr erzeugt, da alle Gastwirte auf elektrische Kühlanlagen umstellten. Da der eingegrabene Keller auch nicht das Wahre war, so waren die Getränke nicht eiskalt, sondern höchs­tens kellerfrisch. Trotz all dieser Schwierigkeiten war die Arche Noah damals sicher Hainburgs beliebtester Ausflugsort, und noch heute schwärmt die ältere Generation von diesem schönen Platz.

Besonders die Fischer kamen oft ins Gasthaus beim Heimweg.

Im Jahre 1943, die beiden Söhne waren eingerückt, wurde die Arche Noah vorübergehend ge­schlossen. Im Jahre 1946, die beiden Söhne waren aus dem Krieg und der Gefangenschaft heimge­kehrt, begann man mit der Vergrößerung des Gebäudes. Es wurden zwei Zimmer dazu gebaut, aber unter den schwierigsten Bedingungen: es gab keine Zufahrt und die Ziegel mussten mehrmals in die Hand genommen werden, bis sie an Ort und Stelle lagen. Schotter wurde mit der Zille geholt und über ein Klobenrad über die Böschung gezogen. Im Jahre 1948 kam es zur Eröffnung der vergrö­ßerten Arche Noah.

Das Jahr 1954 brachte einen großen Schock. Am 15.7.1954 erreichte die Donau mit 9,06 Meter den Höchststand und die Arche Noah war mit 47 cm über dem Fußboden überflutet. Viele Bekannte halfen bei den Aufräumungsarbeiten. Freiwillige Arbeitskräfte aus Bruck an der Leitha und dem Erdölge­biet waren an Samstagen kostenlos in Einsatz. Solidarität wurde in diesen Tagen ganz großge­schrieben. Feuerwehr und auch die Zollwache waren hilfsbereit. Aus Holland und Schweden kamen Decken, Pakete und Lebensmittel. Trotz dieser katastrophalen Lage wurde der Betrieb im höher gelegenen Garten von der Mansarde aus weitergeführt. Im September 1954 waren die Schäden beseitigt und die Gäste kamen wieder.

Der Schotterhaufen gegenüber der Ruine Röthelstein war immer schon ein beliebter Badeplatz. An schönen Sonntagen waren bis zum Jahre 1958 oft einige hundert Badende. Die Kinder borgten sich die Zille des Gasthauses aus und errichteten einen Fährdienst, um den Badenden den beschwerli­chen Weg über die Buhnen und Leitwerke zu ersparen. Es gab meistens ein Trinkgeld von 10 Gro­schen, manchmal war auch ein 50 Groschen Stück darunter. Durch die große Hitze war man oft froh, sich in der Arche Noah mit einem Bier, Spritzer oder einem Kracherl zu erfrischen.

Im Jahre 1958 wurde in Hainburg das Bergbad eröffnet, was für das Wildbaden ein schwerer Schlag war. Schlagartig blieben die Badegäste aus, denn die Badenden zogen das sicherere Bergbad vor.

Die Mutter, Maria Häringer. ging 1961 in Pension und Ferdinand Häringer übernahm nach vielen Auflagen das Gasthaus. Die Zeiten hatten sich aber geändert und man war anspruchsvoller gewor­den. Viele Auflagen wurden gefordert, die leider nicht zu erfüllen waren.

Am 4. Oktober 1964 hatte die Arche Noah das letzte Mal offen, was von vielen Hainburgern sehr bedauert wurde. Bald darauf fiel das Gebäude einen Brand zum Opfer, wobei die Hainburger Feu­erwehren dieses Feuer nur unter schwierigsten Bedingungen (keine Zufahrt) löschen konnten. Da die Beschädigungen aber sehr schwer waren, wurde das Gebäude einige Jahre später abgetragen.

Die hölzerne Abortanlage, die auf dem Grund der Strombauleitung stand, fiel im April 1999 eben­falls einem Feuer zum Opfer. Somit erinnert heute nur mehr eine Gedenktafel am Keller an diesen beliebten Platz.