Erinnerungen an das ehemalige Städtische Elektrizitätswerk Hainburg an der Donau und deren Nachfolgebetrieb und Persönliches
erstellt von Rudolf Bobal (geb. 13.4.1921 in Hainburg) im Mai 2001
Im Jahr 1914 wurde die Landesbahn Wien – Preßburg elektrifiziert. Die Leistungsmasten, welche die Bahnoberleitung trugen, wurden damals auch als Tragmasten für die separaten Versorgungsleitungen für die Donaugemeinden Schwechat bis Hainburg verwendet. Die Gemeinden wurden mit Drehstrom – Wechselstrom 3×20.000 Volt versorgt. So auch die Stadt Hainburg.
Auf der Landstraße Nr. 60 wurde ein Gebäude im Stil einer Landhausvilla errichtet, das als Dienstwohnung für den Betriebsleiter und hauptsächlich als Übergabestation für den Strom an das Städtische Elektrizitätswerk Hainburg diente. In diesem Gebäude waren der Hauptzähler und Transformatoren (Umspanner) für die damalige Gebrauchspannung von 127/220 Volt, als auch auf 5.000 Volt, aufgestellt.
Die Verteilung des elektrischen Stromes auf das Stadtgebiet erfolgte zunächst mit 5.000 Volt über Erdkabeln zu Trafostationen, die über das Stadtgebiet verstreut waren – ungefähr 6 Stück an der Zahl in Form von eisernen Ungetümen ca.2x2x5m mit einem Gittermast obenauf. Durch die Gittermaste wurde mit isolierten Leitungen der Strom ab dem Trafo im Inneren der Station bis zur Spitze des Gittermastes geleitet. Von dort führten sog. Freileitungen in die Ortstraßen entlang der Häuser oder auch auf Masten in Form blanker Kupferdrähte, auf Porzellanisolatoren befestigt. Solche Trafostationen befanden sich zum Beispiel in der Klosterplatzmitte (wo nachher der Brunnen stand), weiters beim Wienertor stadteinwärts beim linken Seitendurchgang, dann außerhalb des Ungartors, ungefähr am oberen Rand des jetzigen Vorgartens zum Tabakwerk Haupteingang, in der Grünanlage an der Gabelung Hofmeisterstraße – Burgenlandstraße, sowie in der Freiungsstraße neben dem ehemaligen Löschwasserbehälter, an der heutigen Stelle der Pranger-Säule, schließlich auch eine Trafostation in der damaligen Pionier-Kadetten-Schule in der Ecke auf der Kasernenseite des Toreinganggebäudes Freiungsstraße Nr. 29. Eine weitere gemauerte Station gab es noch im Dampfkraftwerk der alten Tabakfabrik unweit des Wienertores. Von diesem Dampfkraftwerk wurde vor 1914 die Tabakfabrik mit Elektrizität versorgt. Nach der Elektrifizierung des Stadtgebietes bezog das Tabakwerk auch den Strom vom Städtischen Elektrizitätswerk und lieferte bei Stromausfällen den im eigenen Kraftwerk erzeugten Strom in das Stadtgebiet zurück.
Gebaut wurden die gesamten Versorgungsanlagen zunächst von der Fa. AEG (Allgemeine Elektrizitätsgesellschaft). Nach Abschluss der Ausbauarbeiten blieben Ing. Hübsch von der AEG sowie als Obermonteur Hr. Sekera im Dienst der Stadtgemeinde – Städtische Elektrizitätswerk. Dieses hatte die Konzession für Elektroarbeiten erhalten und besorgte, neben privaten Firmen, die Installationen in einzelnen Häusern neben dem Handel mit elektrischen Bedarfsartikeln. Das Hauptarbeitsgebiet war aber die Betreuung des von der Fa. AEG gebauten Ortsnetzes sowie im Laufe der Jahre dessen Erweiterung im Zuge der Stadterweiterung.
Das Verwaltungsbüro mit Stromverrechnung und Werkstätten befand sich zunächst im Rathaus mit Eingang unter der Altane unterhalb des Büros des Bürgermeisters.
Anfang der 30er Jahre ging der bisherige Betriebsleiter in Pension und Hr. Ing. Frank aus Wien folgte an seine Stelle. Da sich die bisherige Dienststelle schon lange als zu beengt herausgestellt hatte, wurde im an das Rathaus anschließenden Gebäude in der Ungarstraße 3 (Der ehem. Schule, die auch Josef Haydn besuchte) im Erdgeschoss eine neue Dienstelle eingerichtet mit Verkaufsgeschäft und angeschlossenen Büroräumen. Über dem Geschäftseingang war eine für damalige Verhältnisse sensationelle Neonschrift mit großen Buchstaben „Stadt. Elektrizitätswerk“ weithin leuchtend. In die freigewordenen Räume unterhalb dem Bürgermeisterbüros zog die Dienststelle der damaligen Stadtpolizei ein. Bis dahin war die Stadtpolizei in einem winzigen Raum, wo jetzt der Eingang des Gasthofs zu den 3 Raben ist.
Der Stromverbrauch in den 30er Jahren bewegte sich in sehr bescheidenen Grenzen, da der Strompreis sehr hoch war. So hatten viele Haushalte die Räume, wenn überhaupt, mit Glühlampen der Mindeststärke von 15 Watt ausgestattet. In den 20er Jahren gab es auch Glühlampen mit 5 oder 10 Watt (Verbrauch pro Stunde). Weil aber damals viele Haushalte nur einen Verbrauch von 1 – 2 KW, pro Ableseperiode von 6 Wochen aufwiesen, hatte der damalige Betriebsleiter Hübsch die Verwendung von 5 und 10 Watt Glühbirnen verboten. Nicht zuletzt deshalb, weil die damals in Verwendung stehenden Stromzähler bei Anschluss einer Glühbirne mit 5 Watt Verbrauch oftmals überhaupt nicht reagierten. Weil damals der elektrische Strom so teuer war, wurde eben angesichts der wirtschaftlich sehr schlechten Zeit beim Verbrauch sehr gespart.
Da das Städtische Elektrizitätswerk Hainburg den Strom vom Wiener E-Werk in Simmerring an der Donaukanallände selbst verhältnismäßig teuer einkaufen musste, blieb für die Rentabilität des Betriebes nur wenig übrig. Zumal anfang der 30er Jahre umfangreiche Instandsetzungen nötig wurden. Es waren die alten hölzernen Leitungsmasten ebenso wie die eisernen Leitungsmasten laufend zu erneuern. Sorgenkind Nr. 2 waren die eisernen Trafostationen. Diese wurden nacheinander abgebaut und in gemauerte Häuschen transferiert. So kam die Trafostation am oberen Ende der Plenkerstraße, beim Eingang zur neuen Tabakfabrik, in den Gartenstreifen neben dem damaligen Apollo-Kino, jetzt Mondo-Parkplatz. Die Station in der Grünanlage Hofmeisterstraße – Burgenlandstraße wurde gleich daneben in ein gemauertes Häuschen, sowie die Station Freiungsstraße unweit des alten Standortes an die Mauer neben der Lichtsäule im Hof der Volksschule angebaut. Die Station beim Wienertor stadtseitig kam gleich daneben in den I. Stock im Wienertor. Die Station in der Mitte des Klosterplatzes kam in den schmalen freien Grundstückstreifen in der Zehetnergasse an der Südseite des Blattmagazins der Tabakfabrik. Soweit die mündliche Überlieferung der angeführten Umstände.
Ich war schon während der Schulzeit an Elektrizität sehr interessiert und wollte eigentlich an eine höhere Technische Schule. Nachdem dies für meine Eltern bei 4 Kindern finanziell nicht möglich war, blieb mein sehnlichster Wunsch den Elektrotechnikerberuf zu erlernen unerfüllt.
Schon während der 4 Jahre in der Hauptschule, interessierte ich mich sehr für die Lehrbücher, in denen etwas von Elektrizität zu lesen war. Am ausführlichsten war es dann in dem diesbezüglichen Lehrbuch der 4. Hauptschulklasse, die ich zum Schuljahresende mit bestem Erfolg abschloss.
Das ganze Jahr über hatte mein Vater schon bei der Gemeinde vorgesprochen und ein Ansuchen gestellt wegen eines Lehrplatzes beim Städtischen Elektrizitätswerk und prinzipiell eine Zusage erhalten. Allerdings dauerte es den ganzen Herbst über, bis der Gemeinderat den Beschluss für meine Aufnahme als Lehrling im Städtischen E-Werk gefasst hatte.
Am 9. Dezember 1935 war es nun so weit, dass ich die Lehre antreten und mich bei Betriesleiter Ing. Frank vorstellen konnte. Mit einem 2. Kollegen (Renner) hatten wir gleich ein Ansuchen zu stellen, um die Berufsschule für Elektrotechniker in der Wiener Mollardgasse besuchen zu können. Der Wiener Stadtschulrat genehmigte zwar unser Ansuchen, schrieb aber für uns als „Auswärtige“ eine jährliche Schulgeldzahlung in nicht unbeträchtlicher Höhe vor. Dies und die vollen Bahnfahrkosten für den Schulbesuch an einen Tag in der Woche stellte eine arge Belastung für unsere Eltern dar, da das wöchentliche Lehrlingsgeld von 5 Schilling zur Gänze für die Bahnfahrt aufging. Großer Trost für dieses Erfordernis war dann die ausgezeichnete Ausbildung an dieser. für die Wiener kostenlosen, Schule.
Im Betrieb arbeiteten wir unter Obermonteur Sekera, drei älteren Monteuren und zwei kurz vor uns ausgelernten Monteuren am weiteren Ausbau und an der Instandsetzung des Ortsnetzes, an der Erneuerung und am Ausbau der Straßenbeleuchtung sowie an deren Instandhaltung. Auch Neubauten wurden installiert, ebenso wurden Installationen in bestehenden Wohnungen erneuert. Das alles aber nur im Stadtgebiet von Hainburg, da sich die Elektrokonzession für das Städtische E-Werk nur im Anschluss an die Hainburger Trafostation – Zentrale Landstraße 60 bezog. An sechs Tagen der Woche arbeiteten wir zwei Lehrlinge auf den Baustellen, täglich acht Stunden mit den Monteuren und Helfern und hatten außerdem, meist in der Früh vor Arbeitsbeginn, für die Reinigung der Büro- und Geschäftsräume, ebenso für die Beheizung von drei Holzkachelöfen zu sorgen. Neben den eigentlichen Arbeiten im zu erlernenden Elektroberuf wurden wir Lehrlinge oftmals zum Ablesen der Stromverbrauchszähler bei den Stromabnehmern geschickt. Ich war dabei immer etwas traurige, weil ich befürchtete, zu wenig Praxis im Elektroberuf zu erlangen. Allerdings war es auch interessant, weil man in alle Häuser und viele Wohnungen in Hainburg kam. Von unseren Monteuren, dem Lehrmeister und dem Betriebsleiter lernten wir allerdings überdurchschnittlich viel, und kamen mit so vielen Zweigen unseres Berufes in Kontakt, wie es bei anderen privaten Firmen kaum vorkam. So arbeiteten wir auf vielen Spezialgebieten, wie zum Beispiel Erdkabelverlegung und deren Verbindungen, Transformatoren Reparaturen, viele Arbeiten im Hochspannungsbereich beim Trafostationsbau, Motorenreparatur und deren Anschlüssen, Freileitungsbau u. s. w.
So kam der 9. Dezember 1939 heran und somit das Ende der vierjährigen Lehrzeit. Vorher schon waren die zwei jüngeren Monteure, die vor uns gelernt hatten, abgegangen (Haas und Schuh) und zwei neue Lehrlinge (Dolezal und Fischer) neu aufgenommen worden. Im letzten Lehrjahr hatte ich schon mit den neuen Lehrlingen des Öfteren allein wie ein fertiger Monteur gearbeitet. Somit fiel mir die so herbeigesehnte Lehrabschlussprüfung nicht schwer.
Allerdings sollte die Zeit als fertiger Monteur nur weniger als ein Jahr dauern, denn Anfang Oktober 1940 hieß es schon zum Arbeitsdienst und Februar 1941 zum Militär zur Nachrichtentruppe. Nach einigen Wochen schon, lange vor Ende der offiziellen Ausbildungszeit wurde ich als einziger der Rekruten an die russische Grenze geschickt, weil man dort bei einer Werkstatt-Kompanie einen Elektriker angefordert hatte. Im Zuge des Truppenaufmarsches an der polnisch – russischen Grenze, der ein ziemliches Chaos darstellte, kam ich erst nach länger als zehn Tagen zu dem anfordernden Truppenteil, der schon anderweitig den dringend benötigten Elektriker bekommen hatte. Bei der neuen Zuordnung zu einem Truppenteil wurde ich schließlich zu den Divisionspionieren geschickt und machte den Rußlandfeldzug an der Front bis April 1945 als Pionier, trotz fehlender Pionierausbildung, mit unterbrochen von vier Lazarettaufenthalten nach vier glücklicherweise leichteren Kriegsverwundungen. Ende April 1945 nach der 4. Verwundung an der Ostfront kam ich schließlich im Lazarettzug bis Lübeck in Norddeutschland und dort in englische Kriegsgefangenschaft. Nach Aufenthalt in einem Sperrgebiet, bis Jänner 1945 in Ostfriesland gelang mir am Bahnhof in Wilhelmshaven die Flucht aus der englischen Kriegsgefangenschaft. Nach abenteuerlicher Reise durch Deutschland wurde ich am Grenzübergang Berchtesgaden von den Amerikanern wieder geschnappt. Anfang Februar 1946 doch von den Amerikanern entlassen kam ich nach längerem Hin und Her in der Russenzone Mitte Februar nach Hause, mit nichts als der zerschlissene Soldatenuniform am Leib in ein Elternhaus, das 1945 in einem vollständig abgebrannten Wohnhaus alles verloren hatte. (Die Harschvilla auf der Donaulände 43)
Da ich vom städt. Elektrizitätswerk als Vertragsbediensteter ungekündigt zum Wehrdienst eingerückt war, meldete ich mich sofort wieder zum Dienstantritt und begann in den ersten Märztagen im alten Betrieb zu arbeiten.
Das alte Gebäude, in dem Geschäft und Büros untergebracht waren, war ausgebombt und vom 1. Stock über den 2. Stock bis zum Dach vollständig ausgebrannt. Im Erdgeschoss waren die Räume notdürftig instandgesetzt und am oberen Deckenteil des Erdgeschosses provisorisch mit Teerpappe ein Dach ausgelegt worden. Wenn es starker geregnet hatte, musste die gesamte Mannschaff der Werkstätte dieses Teerpappendach vom Wasser freischaufeln, da kaum eine Dachneigung vorhanden war. Im Büro tropfte es gelegentlich von der Decke herunter, und nicht selten war dort eine Leine gespannt zum Trocknen der durchnässten Geschäftspapiere. Leicht verständlich, dass es damals ungeheure Arbeitserschwernisse gab, die dem Personal das Letzte abverlangten, das
schon den Krieg über tapfer seinen Mann gestanden hatte.
Betriebsleiter Frank war gleich zu Kriegsbeginn als Reserveoffizier einberufen worden, Hr. Vollmann Jun. zugleich mit mir eingerückt. Frau Osner hatte die Büroleitung übernommen. Hr. Ing. Vollmann, der Elektrobetriebleiter vom Tabakwerk hatte im Krieg zusätzlich die technische Betriebsleitung vom städtischen E-Werk zur Betriebsleitung im Tabakwerk übernehmen müssen. Erst allmählich in den Nachkriegsjahren normalisiert sich alles. Das Ortnetz war durch Kriegseinwirkung mancherorts zerstört. Durch Materialmangel konnte das meist nur provisorisch repariert werden.Ing. Frank verlor, kaum vom Krieg heimgekehrte, seine Gattin durch Unfall. Hr. Sekera, der Obermonteur, hatte nach dem Krieg mit den Russen geschachert und erwartete ein Gerichtsverfahren. Aus Angst davor erhängte er sich 1948.
Da Hr. Sekera der Vertreter des Betriesleiters gewesen war, wurde ich an seine Stelle berufen. Aufgabe des Betriebsleiters war auch die Überwachung der Funktion der Trafoanlagen mit Schalteinrichtungen in der Zentrale auf der Landstraße, wo auch die Hauptzähler eingebaut waren, zum Messen des Gesamtverbrauches der Stadt. Um diesen möglichst wirtschaftlich zu gestalten, waren zwei Trafos (Umspanner) eingebaut mit sehr unterschiedlicher Leistung. Da jeder -Trafo auch einen Eigenverbrauch aufweist, war ein schwacher Trafo für die Nachtzeit ab 22Uhr bis zum Morgen und ein stärkerer Trafo für die Zeit tagsüber, wo die Betriebe arbeiteten, vorgesehen. Dieser Trafowechsel musste täglich, durch Betätigen von großen Schaltern mit großen Rädern wie (Autolenkrädern) geschehen. Dies besorgte der Betriebsleiter. In seiner Abwesenheit wie Urlaub, Krankheit oder dienstliche Abwesenheit musste ich abends und in der Früh, neben der Tagesarbeit, dies erledigen.
Inzwischen war in den späten 40er Jahren das Haus über unseren Geschäfts- und Büroräumen mit 2 Geschossen und einer Mansarde wieder auf- und ausgebaut worden.
Auch im Ortsnetz und bei der öffentlichen Straßenbeleuchtung konnte vieles wieder repariert und instandgesetzt werden. Als größten Brocken bei den Neuausbauten konnten wir eine Erdkabelleitung mit 5000 Volt ab dem Wasserbehälter und Pumpwerk hinter dem Krankenhaus bis zum Wasserpumpwerk auf der Heide (bei dem heutigen Golfplatz) erledigen. Dort wurde eine Trafostation errichtet und die dortigen Wasserpumpen, die bisher mit riesigen Dieselmotoren angetrieben wurden, auf Elektromotoren umgestellt. Die Dieselmotoren blieben betriebsbereit bestehen, damit bei Stromausfällen die Wasserversorgung der Stadt gesichert ist. Die Betriebsspannung wurde dort gleich mit der heute üblichen mit 3×220/380 Volt eingerichtet. In der Folge wurde abschnittsweise durch Austausch der Trafo, in den einzelnen Trafostationen auch im Stadtgebiet die Versorgungsspannung von 127/220 Volt auf 220/380 Volt geändert. Das bedingte natürlich viel Aufwand an Umbau und Umschaltarbeiten an den Verbrauchseinrichtungen, sowohl bei den Haushalten, Gewerbebetrieben als auch im eigenen Betrieb.
In den Jahren vor 1950 wurde schon viel geredet und spekuliert bezüglich der möglichen Verstaatlichung und Übernahme des Städt. E-Werkes durch die NEWAG (Niederösterreichische Elektrizitätswirtschafts AG.) Niemand wusste wann es so weit sein würde, und mancher Mitarbeiter bangte davor. Als zu Anfang des Jahres 1950 schließlich ein Übernahmezeitpunkt in diesem Jahr in Aussicht stand, und eine Übernahme für das gesamte E-Werk Personal durch die NEWAG zugesagt worden war, hatte schon alle entsprechenden Entschlüsse gefasst, zumal von Seiten der Stadtgemeinde die Absicht kundgetan worden war, den Betrieb für Elektroinstallationen und das Verkaufsgeschäft im Gemeindeverband zu behalten. Nachdem Betriebsleiter Ing. Frank und einige Monteure für den Übertritt zur NEWAG votierten, wurde mir von der Gemeinde in Aussicht gestellt, als Meister und Geschäftsführer beschäftigt zu werden, wenn ich die entsprechenden Prüfungen ablegen würde, (Auf eigenes Risiko und eigene Kosten für Kurs und Internat in Stockerau und vier Wochen unbezahlten Urlaub.) da auch einige Bewerbungen von außerhalb der Gemeinde bestanden. Nun hieß es für mich schnell handeln, da. die Übernahme durch die NEWAG baldigst in Aussicht stand, die dann auch in den letzten Märztagen erfolgte. Frau Osner und Fr. Hahn wollten im Geschäft, 2 Monteure, 2 Helfer und 1 Lehrling in der Werkstätte verbleiben. Daraufhin absolvierte ich im März den 4wöchigen Prüfungsvorbereitungskurs und konnte danach anschließend im April auf Anhieb die Konzessions- und Meisterprüfung erfolgreich ablegen. Das Städt. Elektrizitätswerk Hainburg hatte aufgehört zu bestehen.
Ende März erschienen Newag-Beamte ohne vorherige Ankündigung eines Morgens fast überfallsartig in den Büro- und Geschäftsäumen des E-Werkes, beschlagnahmten alle Schriftstücke, weiche Stromzähler, Stromverrechnung, Ortsnetzanlagen und sonstige Vermögenswerte betrafen, und nahmen sie sofort mit. Erst in den Tagen danach wurden Entschädigungsverhandlungen mit der Gemeindevertretung aufgenommen.
Neben dem Bürgermeister, einigen Stadträten und Gemeindebeamten war ich als unmittelbarer Fachmann für das ehemalige E-Werk den Verhandlungen beigezogen, da der bisherige Betriebsleiter schon als NEWAG-Bediensteter als befangen galt. Die NEWAG wollte natürlich den Wert der Anlagen als recht geringfügig hinstellen. Insbesonders den Wert der in den letzten Jahren getätigten notwendigen Investitionen und Zählerumbauten wurde von NEWAG Seite sehr herabgewürdigt. Nach langwierigen und zähen Verhandlungen, in denen ich die technischen Details entsprechend vertreten konnte, wurde dann doch eine Entschädigungszahlung durch die NEWAG an die Stadtgemeinde von einigen Millionen ausgehandelt.
Nachdem ich im April 1950 mein Konzessions- und Meisterprüfungszeugnis der Stadtgemeinde vorlegen konnte, wurde ich mit 1. Mai 1930 zum Geschäftsführer und Leiter des Elektroinstallationsbetriebes der Stadtgemeinde (kurz ELEKTROHAUS genannt) bestellt. Damit war die durch die NEWAG-übernahme für die Stadtgemeinde erloschene Elektrokonzession und Gewerbeberechtigung wiederhergestellt. Nun war ich bei der Gewerbebehörde als verantwortlicher Geschäftsführer eingetragen, und so konnten wir auch außerhalb Hainburg Arbeiten ausführen.
Allmählich lief das Geschäft und die Arbeitsaufträge an. Mit großer Anstrengung von mir und meinen Mitarbeitern erreichten wir von Jahr zu Jahr bessere Umsätze und mussten den Personalstand immer mehr ausweiten. Die Geschäftsräume wurden angesichts größeren Platzbedarfes für ausgestellte Elektrogeräte schon zu klein. So erreichte ich bei der Gemeinde, dass wir den großen Raum neben dem bestehenden Geschäft zur Benützung dazubekamen (früher Büro der Kartenstelle). 1957 schließlich konnten wir nach Planung von Arch. Prix die Straßenfront zur Gänze für Schaufenster und einem breiten Geschäftseingang umbauen. Der Handel mit Elektroartikeln aller Art entwickelte sich ebenso wie das Installationsgeschäft derart gut, dass wir immer größeren Personalbedarf bekamen. So hatten wir in den 60er und 70er Jahren zeitweise einen Personalstand von bis zu 18 Personen. Ich selbst führte die ganze Zeit mit größten Anstrengungen und großem persönlichen Einsatz den Betrieb, kam meist auf bis zu 70 Arbeitsstunden pro Woche und konnte eine große Anzahl von Lehrlingen ausbilden.
Dank meiner meist sehr tüchtigen, fleißigen und treuen Mitarbeiter florierte der Betrieb 20 Jahre. Leider wuchsen auch Intrigen, Neid und Missgunst, so daß schließlich eine Überprüfung des Elektrohauses von der Stadtgemeinde veranlasst wurde.
Dass im Elektrobetrieb der Stadtgemeinde schon immer gut und sparsam gewirtschaftet worden ist, sei wörtlich eine Beurteilung zitiert, die im Abschlussschreiben einer betriebswirtschaftlichen neutralen Überprüfung und Beratung durch das Wirtschaftsförderungsinstitut der Handelskammer NÖ im September 1971 stand: „———- durch eine den betrieblichen Erfordernissen entsprechende Preisgestaltung, eine straffe Organisation, die in einem geringen Anteil innerbetrieblicher Stunden zum Ausdruck kommt, ———- erreichte das Unternehmen eine im Verhältnis gute Ertragslage.“
Und so florierte der Betrieb weitere 10 Jahre, bis zu meiner Pensionierung mit 1. Mai 1981, nachdem ich im April vorher 60 Jahre alt geworden war, nach 45 Jahren im Gemeindedienst und mehr als 30 Jahren einer erfolgreichen Leitung des Elektrobetriebes,
„Elektrohaus – Hainburg“
Elektroinstallationsbetrieb der Stadtgemeinde.
Ab meinem Eintritt in den Ruhestand wurde der Betrieb in- eine Ges. m. b. H. umgewandelt und meine bisherigen zwei Vertreter übernahmen die Leitung des Betriebes. Nach einigen Unstimmigkeiten verließ bald darauf einer der beiden (Hr. Viktor Stögbauer) wieder den Betrieb. Der andere meiner Nachfolger (Hr. Bartl) hatte einige Jahre viele Misserfolge und Turbulenzen zu bestehen. Danach wurde Ende der 80er Jahre der Betrieb von der Gemeinde aufgelassen und an eine ortsfremde Elektrofirma aus Mannersdorf verpachtet. Die 90er Jahre fristete diese Filiale so recht und schlecht dahin, bis Ende der 90er Jahre das „Aus“ erfolgte.
Nun endete das Städt. Elektrohaus nach so vielen Jahren im Dienst der Hainburger Bevölkerung unrühmlich, so dass heute nur leere Geschäftsräume und Schaufenster dem Betrachter entgegensehen.
Mit diesen meinen Zeilen habe ich mich bemüht, ein möglichst Objektives Bild über die Geschehnisse zu zeichnen, ohne persönliche Beschönigungen. Einen kleinen Nachweis über meine Person sollte, das beiliegende Zeugnis darstellen.
Hainburg an der Donau im Mai Zweitausendeins.




