Ereignisse

9. Mai 1945 aus dem Tagebuch von Justine Mayer

9. Mai 1945

Aus dem Tagebuch der Frau Justine Mayer, Musiklehrerin und Schriftstellerin in Hainburg

 

Tag des Kriegsendes! Tausendfach herbeigesehnt und doch kann kein Freuen und Hoffen aufkommen. Allzu Schweres liegt hinter uns. Sitzen wir doch zwischen Ruinen, die die Kampffront hinterlassen hat. Die meisten Schäden haben uns die deutschen Kommandos zugefügt, die Eisenbahnbrücken sprengen ließen. Das feindliche Bombardement, am Ostersonntag eröffnet, dauerte bis zum Einmarsch der Russen rund eine Woche lang. Schmucke Häuser, blühende Gärten liegen zerstört und verwüstet, viele Familien sind auseinandergerissen, manche Freunde verschollen, verzweifelt, verkommen.

In der vorgeschriebenen Arbeitszeit mangeln die ersten Aufbauarbeiten. Überdies sind viele Felder und Weingärten durch das sinnlose Anlegen von Panzergräben verwüstet.

Und morgen ist Christi-Himmelfahrt. Wunderliebliches Frühsommerfest im strahlenden Glanz des Maien – sonst so freudig begrüßt. Heute umgeben uns Ruinen und noch immer Angst und Grauen.

Doch auch das führt uns näher zu Gott.