Bauwerke

Das Fischertor

Das Fischertor

Von MMag. Ronald Woldron

Das Fischertor befindet sich mittig an der Donauseite der Stadtbefestigung. Es stellte eine direkte Verbindung zwischen dem Stadtgelände und dem wirtschaftlich und strategisch bedeutenden Donauhafen her. Ein hoher architektonischer Anspruch – wie er die spätromanische Gestaltung von Wienertor und Ungartor bestimmte – war nicht gegeben.

Der viergeschossige Torturm ist spätgotisch. Wie an den Baufugen in der Torhalle zu sehen, wurde der Turm einem älteren Tor vorgebaut, bei dem die westseitig vorspringende Stadt- mauer die Toröffnung flankierte. Der bauhistorischen Beurteilung dieses Flankentors stehen derzeit neuzeitliche Ausbesserungen bzw. die starke Überarbeitung der Wandflächen entgegen.

Daher kann eine sichere Datierung erst im Zuge einer kommenden Restaurierung des Tors erfolgen. Eine spätromanische Bauzeit ist derzeit nicht auszuschließen. Leider fehlt das zugehörende Torgewände, das eine bauhistorische Zuordnung ermöglichen würde. Es verlor durch die Errichtung des Torturms seine Funktion und wurde in einer folgenden Bauphase entfernt.

Detailformen und Mauertechnik des Torturms sprechen für eine spätgotische Bauzeit um 1470/1520. Entsprechend sind die Wehröffnungen bereits auf den Einsatz von Feuerwaffen ausgerichtet. Der Hocheingang in das 1. Obergeschoß, die Rechteckfenster der Obergeschoße sowie die beiden Schlüsselscharten besitzen Werksteingewände. Das 3. Obergeschoß war ehemals mit einem umlaufenden hölzernen Außenwehrgang ausgestattet. Auf ihn verweisen sechs vermauerte Ausgänge sowie die im heutigen Dachraum sichtbaren Abdrücke der Gangbalken.

Wie die Rotfärbung und die Abplatzungen der Mauersteine belegen, wurde der Außenwehrgang durch einen Brand zerstört. Es liegt aus historisch Sicht nahe, diesen Brand mit den Kriegsereignissen von 1529 in Verbindung zu bringen.

Nach dem Brand des Torturms erfolgte keine bauliche Wiederherstellung des zerstörten Außenwehrgangs. Seine sechs Ausgänge wurden vermauert bzw. feldseitig zu Schießscharten abgemauert, die – wie die Abdrücke von Prellhölzern zeigen – für die Verwendung von Hakenbüchsen gedacht waren. Vermutlich erfolgte dieser Umbau bereits um 1530, als die Türme V, VI und XI der Stadtbefestigung eine vergleichbare Modernisierung erfuhren.

Das spätgotische Torgewände des Torturms ist nicht erhalten. Es wurde – vielleicht auch aufgrund historischer Brandschäden – im 18. oder beginnenden 19. Jahrhundert erneuert. Auf diese Zeitstellung verweist vor allem die Korbbogenform des Werksteinbogens. Der gleichen Zeit dürfte die Zwischenmauer des 1. Obergeschoßes angehören. Sie verstellt eine Schlüssel- scharte und dokumentiert damit, dass in dieser Bauphase nicht mehr die Wehrhaftigkeit des Torturms, sondern seine Bewohnbarkeit interessierte.