Ereignisse

15. Mai Staatsvertragsunterzeichnung

Wir waren dabei – Staatsvertragsunterzeichnung 1955

von Elmar und Ingeborg Loibl

 

Der 15. Mai 1955 war ein trüber, bewölkter Tag. Nun sollte der langersehnte Staatsvertrag im Schloss Belvedere unterzeichnet werden.

Da wollten wir dabei sein. Wir fuhren am frühen Vormittag mit unserem Puch-Motorrad (Puch 250 SGS) los nach Wien. In der Jacquingasse im 3. Bezirk stellten wir unser Motorrad ab, und gingen in den Schlosspark. Auf der Gartenseite des Belvederes standen schon einige tausend Menschen in gespannter Erwartung der kommenden Ereignisse. Es lag eine eigenartige, teilweise abwartende, teils aber noch immer zweifelnde Stimmung über der Menge. Selten sah man so viele Menschen friedlich und geduldig warten.

Gegen 11 Uhr hörte man lebhaften Verkehrslärm von der Prinz-Eugen-Straße herüber. Es waren die Autos der Außenminister der Besatzungsmächte, die dann durch das obere Tor hereinfuhren und vor dem Schloss vorfuhren. Nun stieg die Spannung immer mehr und mehr. Die Menge wurde jedoch noch auf eine harte Probe gestellt. Erst lang nach Mittag öffneten sich die hohen Flügeltüren, die auf den Balkon führen, und die Außenminister und mit einen auch unser Leopold Figl traten an die Brüstung und winkten uns zu. Jetzt wussten wir alle – es ist so weit – es ist gelungen- wir haben unseren lang ersehnten Staatsvertrag. Wir alle begannen zu jubeln und zu winken, alle Glocken von Wien, auch die 1951 neu gegossene „Pummerin“, begannen zu läuten. Plötzlich verschwand Figl im Gebäude und kam mit dem Buch des Staatsvertrages und zeigte der Mende die Seite mit den Unterschriften und Siegeln. Jetzt gab es noch mehr Jubel, frohe und gelöste Stimmung.

Nachdem sich die Außenminister wieder in das Schloss zurückgezogen hatten, begannen sich die vielen Leute langsam über den Park hinunter in Richtung Rennweg zu bewegen.

Wir holten unser Motorrad und fuhren in die Stadt. Wir hatten gehört, dass am Stephansplatz ein feierliches Te Deum zelebriert werden soll. Schon während der Fahrt stadteinwärts hat es zu regnen begonnen, und wir suchten in einem kleinen Café hinter der Rotenturmstraße Zuflucht, wo wir uns die Radioübertragung anhörten. Dann wurde es aber Zeit, an die Heimfahrt zu denken, die allerdings sehr ungemütlich wurde. Es goss in Strömen, und wir mit unserer armseligen Straßenbekleidung wurden nass bis auf die Haut. Aber in der Hochstimmung in der wir waren, spielte uns das alles keine Rolle.

Daheim in Hainburg erwarteten uns schon die Eltern und wir feierten diesen für unser Heimatland so wichtigen Tag noch mit einem Glas „Staatsvertragswein“. Es war ein Tag, der uns unvergesslich bleiben wird. Vor allem weil uns erst jetzt bewusst wurde, dass bis zum 25. Oktober 1955 der letzte fremde Soldat unser Land und hiermit auch unser Hainburg verlassen musste. Am 26. Oktober wurde dann im Parlament das Neutralitätsgesetz beschlossen. Seither ist dieser Tag Österreichs Staatsfeiertag.