Die geschichtliche Entwicklung der Schiffmühlen in Hainburg
nach Aufzeichnungen von Leopold Oth und Karl Walek, überarbeitet und gekürzt mit ChatGPT
Im Jahr 1928 wurde in Hainburg die letzte Schiffmühle außer Dienst gestellt – zugleich das Ende dieser Mühlform auf der österreichischen Donau. Damit lag das letzte Kapitel eines über Jahrhunderte bedeutenden Handwerks hinter der Stadt.
Der genaue Zeitpunkt der ersten Schiffmühle in Hainburg lässt sich nicht mehr feststellen. Eine der frühesten literarischen Erwähnungen findet sich im Roman „Michael Zöchetner“ von Anne Lene Gräf Wildner, der das Leben eines Schiffmüllersohnes zur Zeit der Türkenkriege 1683 schildert. Es ist jedoch davon auszugehen, dass das Schiffmüllergewerbe bereits früher bestand.
Pfarrer Maurer berichtet, dass die Schiffmühlen im Jahr 1695 an das linke Donauufer verlegt wurden, wo sie in unruhigen Zeiten Schutz in den Auen fanden. Eine Schiffmühle kostete damals rund 250 Gulden. Während der Kuruzzenkriege 1704 wurden die Mühlen geplündert, woraufhin sie wieder vor die Stadt ans rechte Ufer zurückverlegt wurden. Versuche, weitere Mühlen anzusiedeln, scheiterten am strengen Privilegiensystem, das nur fünf Mühlen zuließ.
Neben den Getreidemühlen bestanden in Hainburg auch Tabak-Schiffmühlen, die Tabakblätter für die Weiterverarbeitung zerschnitten. Ein Reisebericht aus dem Jahr 1808 erwähnt zwei eigens dafür errichtete Schiffmühlen.
Im 19. Jahrhundert waren mehrere Getreidemühlen in Betrieb. 1868 verlegte Leopold Oth seine Schiffmühle von Deutsch Altenburg nach Hainburg. Um 1870 arbeiteten fünf Mühlen im Bereich der sogenannten Leinenbleiche, benannt nach ihren Besitzern Oth, Mayer, Grill, Hatobacher und Eichinger. Ein kleines Wirtshaus an dieser Stelle diente Bauern und Müllern als Aufenthaltsort während des Mahlens.
Weitere Schiffmühlen bestanden zeitweise an der Mündung des Rußbaches. Insgesamt waren bis etwa 1880 entlang der Donau zwischen der Staatsgrenze und Wien noch rund 18 Schiffmühlen in Betrieb. In Wien selbst konzentrierten sich zahlreiche Mühlen im Bereich von Kaisermühlen, dem Mühlschüttel und der Freudenau – Ortsnamen erinnern bis heute daran.
Durch die Donauregulierung ab 1882 veränderte sich die Strömung bei Hainburg. Die Mühlen mussten mehrfach verlegt werden, zunächst ins sogenannte Würtheck, später vor die Tabakfabrik. Eine Mühle wurde stillgelegt, eine weitere fiel 1885 einem Brand zum Opfer. Um 1900 waren nur noch drei Schiffmühlen in Betrieb.
Mit der Verbreitung motorbetriebener Handelsmühlen begann der Niedergang des Schiffmüllerhandwerks. Bauern erhielten dort ihr Mahlgut rascher und günstiger, ohne Wartezeit. Nur wer Wert auf Mehl aus eigenem Getreide legte, blieb dem Schiffmüller treu.
Die Oth-Mühle bestand bis 1914 als Schiffmühle und wurde danach an Land weiterbetrieben. Auf der Donau blieben zuletzt nur noch die Maier- und die Stöger-Mühle. Nach Aufgabe der Stöger-Mühle war die Maier-Mühle die letzte ihrer Art. Im Jahr 1928 wurde sie bei einem Schiffsmanöver zerstört – das Ende der Schiffmühlen auf der österreichischen Donau.
Heute erinnern im Stadtmuseum Wienertor ein Modell einer Schiffmühle sowie die Innungstruhe der Schiffmüller an dieses ausgestorbene Gewerbe.
Bau und Betrieb einer Schiffmühle
Eine Schiffmühle bestand aus zwei Booten: dem Hausschiff und dem Radschiff. Im Hausschiff befanden sich Mahlwerk, Lagerraum und Aufenthaltsraum, während das Radschiff das Wasserrad trug. Beide Schiffe waren durch einen schwankenden Holzsteg mit dem Ufer verbunden und mit Ketten befestigt.
Angetrieben wurde die Mühle vom unterströmenden Wasser – daher die Bezeichnung „unterschlächtige Mühle“. Über Zahnräder aus Holz wurden Mühlsteine, Elevator und Siebanlagen betrieben. Die Arbeitsverhältnisse waren beengt, Reparaturen häufig und kostspielig.
Die Leistung hing stark vom Wasserstand ab. Hochwasser, Treibholz oder Eisgang stellten ständige Gefahren dar. Gearbeitet wurde meist von März bis Dezember, im Winter mussten die Mühlen abgebaut und an Land gebracht werden.
Der Betrieb erforderte viele Helfer, hohe Kosten und große körperliche Anstrengung. Trotz aller Mühen waren die Schiffmüller keine Kaufleute, sondern Handwerker aus Überzeugung – und verloren letztlich im Wettbewerb mit der industriellen Entwicklung.
Zur Familie Oth
Die hier dargestellten Aufzeichnungen beruhen auf handschriftlichen Erinnerungen von Franz Oth (1875–1958), Schiffmüllermeister in Hainburg, und wurden von Leopold Oth (1918–) veröffentlicht.
Leopold Oth (I.), geboren 1792 in Asparn an der Donau, kam als Müllergeselle nach Deutsch Altenburg, wo er eine Schiffmüllerwitwe heiratete und den Betrieb übernahm. Sein Sohn Leopold Oth (II.), geboren 1832, führte die Mühle weiter, absolvierte Militärdienst in Galizien und Italien und übersiedelte später nach Hainburg, wo er Haus und Mühle erwarb.
Neben dem Mühlenbetrieb entwickelte sich ab den 1890er-Jahren eine erfolgreiche Brotbäckerei. Das Oth-Brot erlangte überregionale Bekanntheit und bildete ein wichtiges Nebeneinkommen. Die Bäckerei wurde über mehrere Generationen geführt und bis ins 20. Jahrhundert fortgesetzt.
So schließt sich der Kreis einer Familie, deren Geschichte eng mit der Donau, dem Handwerk und dem wirtschaftlichen Wandel verbunden war.




