Herbert Winter
58. Pfarrer von Hainburg
Aufgezeichnet von Otilie Köhbach – überarbeitet von Josef Aigner
Herbert Winter wirkte vom 1. Mai 1962 bis 31. August 2000 als Pfarrer von Hainburg. Er trug die Titel Konsistorialrat, Dechant und Monsignore.
Geboren wurde er am 21. März 1922 in Wien, er starb am 2. Juli 2010 in Ternitz, wo er auch seinen Lebensabend verbrachte.
Nach Kriegsdienst und einer Tätigkeit als Bankbeamter entschloss sich Herbert Winter zum Theologiestudium und wurde 1950 zum Priester geweiht. Seine erste seelsorgliche Aufgabe führte ihn als Kaplan nach Wiener Neustadt, wo er maßgeblich am Aufbau der Erlösergemeinde und der Erlöserkirche beteiligt war. Von dort wurde er nach Hainburg berufen.
Die Amtseinführung am 3. Juni 1962, vorgenommen durch Dompropst Dolezal, war ein außergewöhnliches Ereignis: So viele Gläubige kamen aus Wiener Neustadt, dass die Pfarrkirche die Menschen kaum fassen konnte.
Mit großem Einsatz und persönlicher Disziplin widmete sich Pfarrer Winter seiner neuen Aufgabe. Sein Tagesablauf begann regelmäßig um 5 Uhr früh, um Gebet, Schule und Pfarrarbeit miteinander zu verbinden. Besonders wichtig war ihm die Legio Mariae, die er als Erster in Hainburg einführte.
Die ersten Jahre waren von Aufbruch und regem Pfarrleben geprägt. Das Zweite Vatikanische Konzil führte in Hainburg dank gut vorbereiteter Kapläne zu keinen Irritationen, sondern zu einer Belebung der Liturgie und der Gemeindearbeit. Später jedoch veränderten sich die Rahmenbedingungen: Kapläne fehlten, Aushilfen wechselten, ausländische Geistliche taten sich sprachlich schwer, engagierte Mitarbeiter verstarben, Nachwuchs blieb aus. Besonders schmerzlich war für Pfarrer Winter das Ende der Legio Mariae.
Er reagierte mit neuen geistlichen Initiativen, unter anderem mit intensiven Gebetsgruppen, inspiriert von Marienerscheinungen. Nicht alle Gemeindemitglieder konnten diesen Weg mitgehen. Dennoch blieb sein Bemühen um neue Impulse unermüdlich. Auch das zusätzliche Dechantenamt stellte eine große Belastung dar.
Neben seiner seelsorglichen Arbeit war Pfarrer Winter ein begeisterter Reisender und Organisator. Über zwei Jahrzehnte hinweg veranstaltete er jährlich Reisen in den Semester- und Sommerferien. Seine Kenntnisse in Kunstgeschichte, Archäologie und Bibelkunde machten diese Fahrten auch für kirchenferne Teilnehmer attraktiv. Besonders das Fliegen faszinierte ihn – der Flughafen Schwechat war für ihn ein besonderer Anziehungspunkt.
Mit September 2000 trat Pfarrer Winter in den Ruhestand. Er übersiedelte nach Ternitz, wo er einem erkrankten Studienkollegen unterstützend zur Seite stand und bis zu seinem Tod lebte.
Wichtige Ereignisse und Entwicklungen während seiner Amtszeit
Aufbau und Erneuerung (1962–1967)
- 1963: Brand in der Pfarrkirche am Karsamstag – größere Schäden konnten verhindert werden
- Einführung von Pfarrball, Gartenfest, Krankenfest
- Beginn zahlreicher Kinder- und Jugendlager
- 1963–1965: Planung, Bau und Weihe des Jugendheims
- Gründung einer Schola, Ausbau der Kirchenmusik
- Wiederbelebung des Katholischen Bildungswerks mit stark wachsender Teilnehmerzahl
- 1967: Abschluss der Kircheninnenrenovierung und Altarweihe
Geistliches und soziales Engagement (1968–1975)
- Gründung des Bruderdienstes (praktische Hilfe für ältere Menschen)
- Bibelseminare, Hausmissionen, Einkehrtage
- Starkes Wachstum von Gebets-, Familien- und Kindergruppen
- Missions- und Entwicklungshilfeprojekte
- 1971: Erste Pfarrgemeinderatswahl
- 1975: 25-jähriges Priesterjubiläum von Pfarrer Winter
Konsolidierung und neue Akzente (1976–1989)
- Einführung von Minibrot-Aktion, Eheseminaren und Müttermesse
- Zahlreiche Ministranten-, Familien- und Sommerlager
- 1979: Orgelneubau
- Wallfahrten nach Maria Ellend
- 1982: Orgelweihe
- Seniorennachmittage, religiöse Wochen, Pfarrgemeinderatswahlen
- 1989–1992: Außenrenovierung der Kirche
Späte Amtsjahre (1990–2000)
- Religiöse Wochen für Fernstehende
- Mitwirkung am Taizé-Treffen 1992
- Innenrenovierung der Kirche
- Aufbau neuer Gebets- und Muttergruppen
- Integration von Menschen aus mehreren Nationen
- 28. Mai 2000: Feier des 50-jährigen Priesterjubiläums
- 3. September 2000: feierliche Verabschiedung in den Ruhestand




