Dechant Robert WERNER
von Ottilie Köhbach
WERNER Robert
der 56. Pfarrer in Hainburg von 1. September 1934 – 14. Juni 1959
Stadtpfarrer, Dechant, Ehrendomherr zu St. Stephan (24. Dezember 1958)
geb.: 25. September 1884 in Wien, gest.: 14. Juni 1959 in Hainburg, hier begraben.
- Juli 1907 Priesterweihe durch Weihbischof Marschall
4 Jahre Kooperator in Bernhardsthal und Groß Ebersdorf
15 Jahre (1911 – 1926) Pfarrer in Wopfing im Piestingtal
8 Jahre (1926 – 1934) Pfarrer in Altenmarkt/Triesting
25 Jahre (1934 – 1959) Pfarrer in Hainburg (davon 22 Jahre Dechant)
Nachdem er nach der Übernahme die Pfarre nach seinen Vorstellungen geordnet hatte, war es bis zu Kriegsbeginn ruhige und schöne Jahre. Herr Dechant besaß ein Motorrad, konnte dadurch leichter seinen Dechantenaufgaben nachkommen und reiste auch gerne damit. Während der NS-Zeit war er bedacht, mit den Behörden gut auszukommen und seine sich weniger klug verhaltenden Kapläne aus ihren Schwierigkeiten wieder herauszuholen. Er hatte gute Verbindungen und konnte viele Frauen über Vermisste und Totgesagte Aufklärung verschaffen.
Als Kind bekam man immer ein Stück Würfelzucker (auf den die Priester verzichteten, solange sie noch Zucker erhielten), wenn man in den Pfarrhof kam.
Im Pfarrgarten gab es einen tiefen Keller (wahrscheinlich Teile der Karnergruft), der als Luftschutzkeller für Volksschule und Kindergarten diente. Auch von den Anrainern genutzt.
Wie er seinen Kaplänen ein väterlicher Freund war, trotz zeitweiliger Differenzen, so war Herr Werner auch für Hainburgs Bevölkerung zur Vaterfigur geworden. Nach dem Kriegsende nahm er die Wiederherstellung des Gotteshauses in Angriff (neue Fenster, Kirchendach) und versuchte auch der Not leidenden Bevölkerung durch kirchliche Auslandshilfen beizustehen.
Nach dem Krieg wechselten die Kapläne sehr oft. Die jungen Herren brachten liturgische Neuerungen mit, nicht immer zum Gefallen des Dechant. Er selbst war ein guter Prediger und konnte Erwachsene wie Kinder fesseln.
Durch die Errichtung des neuen Krankenhauses in der Jägerkaserne (Eröffnung Dezember 1948) kam auf den Priester Mehrarbeit zu, da die geistlichen Schwestern vom Deutschen Ritterorden ihre Zustimmung zur Arbeit in dieser Anstalt von der täglichen Messfeier abhängig machten. Jede Woche hatte nun ein anderer Kaplan diese Frühschicht (6:30 Uhr). Da sie anfangs alle zu Fuß gehen mussten, hieß es dementsprechend früh aufzustehen.
Im Altersheim, wo die Barmherzigen Schwestern vom hl. Vinzenz tätig waren, gab es nur einmal unter der Woche und am Sonntag Gottesdienst.
Für den Dekanatsjugendseelsorge kaufte das Dekanat einen Roller, den dieser auch in der Gemeinde benützen konnte. Später hatten die Kapläne (bis auf Herrn Herzlik) ihre eigenen Autos.
Herr Dechant war dann nicht mehr so gesund. Sein körperliches Gebrechen (Höcker) und andere Leiden machten ihm zu schaffen. Er suchte deshalb um Enthebung vom Dechantsamt an, dem am 1. Juli 1956 stattgegeben wurde. An seiner Stelle wurde Dr. Josef SCHRAMMEL, Pfarrer in Deutsch Altenburg, Dechant. In Freude und Dankbarkeit konnte er am 28. Juli 1957 sein goldenes Priesterjubiläum feiern. Am 24. Dezember 1958 wurde im noch eine große Ehre zuteil. Er wurde Ehrendomherr zu St. Stephan. Am 14. Juni 1959 starb er.
Am Begräbnis nahmen 46 Priester teil. Die Einsegnung in der Kirche machte Dompropst Wagner, das Begräbnis (Requiem) leitete Exzellenz Dr. Jachym. Auch der Abt des Stiftes Admont, P. Koloman Holzinger, der oft in Hainburg ein Urlaubsgast bei seinem Freund Werner war, gab ihm die letzte Ehre.




