Bauwerke

Der Wasserturm (Götzenturm)

Baugeschichte des Wasserturms (Götzenturm)

Von MMag. Ronald Woldron aus seinem Buch „Die Stadtbefestigung von Hainburg an der Donau – Ein bauhistorisches Bilderbuch“

 

Der Wasserturm steht in prominenter städtebaulicher Lage an der nördlichen, donauseitigen Ecke der Stadtbefestigung. Mit seinem seltenen achteckigen Grundriss folgt er der Tradition von römischen Lager- und Stadtbefestigungen. Es gibt aber auch bedeutende mittelalterliche Vorbilder für diesen Grundriss, wie etwa einen um 1100 errichteten Turm der Burg Gars. Auf das unbelichtete Sockelgeschoß folgen vier gemauerte Obergeschoße sowie ein neues Holzgeschoß, das eine Vorgängerkonstruktion der 1930er Jahre tradiert.

Die nordöstliche Stadtmauer steht über eine deutliche Baufuge an den Turm an. Demnach wurde er – wohl aus statischen Gründen – zuerst errichtet. Seine Bausubstanz lässt drei Hauptbauphasen der späten Romanik bis späten Gotik erkennen.

Die spätromanische Bausubstanz der Zeit um 1220/1235 dokumentiert einen zunächst nur viergeschossigen Turm, mit einem unbelichteten Sockelgeschoß, zwei Obergeschoßen und einem Zinnengeschoss. Dank der unterschiedlichen Begehungsniveaus von Stadt- und Feldseite kann das 1. Obergeschoß stadtseitig ebenerdig betreten werden. Sein bauzeitliches rundbogiges Werksteinportal ist gut erhalten. Auch die zwei Schlitzscharten des Geschoßes besitzen Werksteingewände. Die Mauerstärke des Turms beträgt auf dieser Höhe 2,03 m, womit sich bei Seitenlängen von durchschnittlich 4,5 m ein rund 36 m2 großer Innenraum ergibt. Das 2. Obergeschoß wurde gleichfalls mit Schlitzscharten ausgestattet, deren Gewände aber nur aus Bruchsteinen bestehen. Reste des Zinnenabschlusses dieser Bauphase sind vermauert erhalten.

Um die Mitte des 13. Jahrhunderts erhielt der Turm ein 3. Obergeschoß mit Rundbogenbiforen aufgesetzt. Es darf daher von einer repräsentativen Nutzung ausgegangen werden, die vielleicht mit einem Ausbau des so genannten „Götzenhofs“ – des benachbarten Adelssitzes – in Zusammenhang stand. Aufgrund eines späteren Teileinsturzes des Turms sind nur zwei Biforen erhalten. Ihre hochwertigen Werksteingewände weisen zarte Fasen auf. Eine genaue stilistische Datierung ist leider nicht möglich, da die Mittelsäulen mit ihren Basen und Kapitellen bereits im 16. Jahrhundert entfernt wurden. Das lagerhafte Mauerwerk zeigt niedere Kompartimente, die oft zwei Steinhöhen umfassen. Ein an der Südseite erhaltener Balkenrest lieferte eine dendrochronologische Datierung. Er geht auf eine Fällung im Winterhalbjahr 1239/40 (d) zurück.

Eine entsprechende Datierung der Turmerhöhung ist sehr plausibel, doch lässt sich auch eine Wiederverwendung des Balkens bald nach seiner Fällung nicht ausschließen.

An der Nordwestseite des Turms zeichnet sich undeutlich eine Reihe vermauerter Balkenlöcher ab. Sie wurden vermutlich ausgebrochen, um auf Höhe des 3. Obergeschoßes einen hölzernen Außenwehrgang anzulegen. Als Zugang könnte die westliche, nach unten erweiterte Bifore gedient haben. Eine genaue Datierung der Bauphase ist nicht möglich. Spätestens im Jahrhundert wurde der Wehrgang wieder abgetragen.

In der späten Gotik musste der Turm aufgrund eines Bauschadens in großen Teilen neu errichtet werden. Betroffen war vor allem sein östlicher, feldseitiger Teil. Es liegt daher nahe, die schweren Schäden mit der ungarischen Belagerung von 1482 in Zusammenhang zu bringen. Zum spätgotischen Wiederaufbau zählt das Portal, das vom Wehrgang der donauseitigen Stadtmauer in das 2. Obergeschoß des Turms führte. Es war ehemals mit einer kleinen Zugbrücke ausgestattet. Zudem erhielt das 2. Obergeschoß stadtseitig ein großes Rechteckfenster eingefügt. Feldseitig entstanden auf dieser Höhe zwei Schlüsselscharten mit Werksteingewänden und weiten Schießnischen. Das 3. Obergeschoß musste bereits zur Hälfte neu errichtet werden, wobei die Belichtung über kleine Schlitzscharten erfolgte. Das 4. Obergeschoß gehört mit seinen kleinen Rechteckfenstern zur Gänze dem spätgotischen Wiederaufbau an.

Im 16. Jahrhundert – vermutlich um 1530 – erfolgten wehrtechnische Adaptierungen. Die beiden Schlüsselscharten des 2. Obergeschoßes und die Biforienfenster des 3. Obergeschoßes wurden zu Schießscharten für Hakenbüchsen umgebaut.

Um 1939 kam der Turm wieder unter Dach, wobei die Fensteröffnungen des 4. Obergeschosses vermauert wurden.