Die Geschichte des Hainburger Schachclubs
Von Ferdinand Häringer
Quelle auch Hainburger Rundschau
Der Schachclub Hainburg wurde am 18, April 1920 in Hainburg von seinem Gründer Franz Kerschbaum ins Leben gerufen. Neun Mitglieder kämpften um den ersten Klubmeistertitel, der von Franz Kerschbaum gewonnen wurde. Am 22. August 1922 fand die Gründungsversammlung im Cafe Bilsky (Hauptplatz 6) statt. Zum Obmann wurde der Gründer Franz Kerschbaum gewählt, der auch die folgende Clubmeisterschaft gewann. In den nächsten vier Jahren stießen viele Mitglieder zum Schachclub Hainburg. Es wurden auch viele Freundschaftskämpfe mit Wiener Vereinen abgehalten. Am 26. September 1937 fand die größte Schachveranstaltung des Schachclubs Hainburg statt. Man verpflichtete den österreichischen Meisterspieler Doktor Weil, der simultan gegen 100 Spieler spielte. Austragungsort war der Lamm-Saal in der Ungarstraße 15-17. Dr. Weil konnte 75 Partien gewinnen, remisierte 27 und verlor acht. Auch der Schachclub Hainburg musste dem Anschluss an das deutsche Reich Tribut zahlen. Die meisten Spieler mussten in den Krieg ziehen und viele von ihnen kehrten nicht mehr zurück. Der Spielbetrieb kam zum Erliegen und zu allem Überdruss ging durch Kriegseinwirkungen sämtliches Inventar verloren.
Am 30. Mai 1946 fand im neuen Klublokal Gasthaus Gruber (heute Gasthaus Bredl, Babenbergerstraße 31, Ecke Hummelstraße) eine Vollversammlung statt und der Spielbetrieb wurde wieder aufgenommen. Zum Obmann wurde Vizebürgermeister Heinrich Stinauer gewählt. 27 Spieler gaben ihre Nennung zur Klubmeisterschaft ab, und da kein Inventar vorhanden war, brachten sie eben ihre eigenen Schachbretter mit. Es wurde mit viel Begeisterung gespielt und der Klub erreichte binnen kurzer Zeit beachtliche schachliche Erfolge. Durch eine Ballveranstaltung im Fasching 1947 konnten durch den Reingewinn Uhren und Schachgarnituren nachgekauft werden.
Mannschaftsmeister von Niederösterreich
Die größten Erfolge des Schachklubs waren wohl die Erringung der Niederösterreichischen Mannschaftstitel 1948 und 1952, sowie im Jahre 1949 der Titel eines Landeseinzelmeisters durch Franz Helm. Die Hainburger hatten mit den Spitzenspielern (in alphabetischer Reihenfolge: Karl Haasz, Franz Helm, Eduard Kraus, Johann Sicker, und Leopold Tragreif, sowie den guten Durchschnittsspielern Karl Hirschmann, Ferdinand Häringer und Heinrich Stinauer eine homogene Mannschaft, die jahrelang an der Spitze mitmischte und auch viele zweite und dritte Plätze belegte.
Ende Mai 1956 wurde unter dem rührigen Obmann Stadtamtsdirektor Haasz eine Großveranstaltung abgehalten. Im Cafe Bilsky kämpften sieben Spieler eine Woche lang um den Titel eines niederösterreichischen Landesmeisters. Landesmeister wurde der Ternitzer Franz Stoppel. Die beiden Hainburger Vertreter Karl Haasz und Franz Helm belegten den vierten und fünften Rang.
Im Jahre 1957 zog der Schachclub Hainburg aus finanziellen Gründen seine Mannschaft, obwohl an zweiter Stelle liegend, aus der Niederösterreichischen Landesliga zurück, da die finanziellen Opfer den Spielern nicht mehr zugemutet werden konnten.
In den Jahren 1921 bis 1939 und 1946 bis 1966 wurden auch Klubmeisterschaften gespielt, wobei sich Johann Sicker mit 24 Klubmeistertiteln allen anderen Spielern weit überlegen zeigte. Im Jahre 1962 wurde ein Bezirksmannschaftsturnier ausgetragen, wobei Hainburg die Mannschaft aus Schwechat, Bruck und Mannersdorf klar hinter sich ließ.
Im Jahre 1962 wurde weiters die Meisterschaft in der untersten niederösterreichischen Spielklasse mit einer jungen Mannschaft wieder aufgenommen und auf Anhieb der Aufstieg geschafft.
In der Saison 1965/66 wurde überlegen der Meistertitel der Liga Süd errungen und der Aufstieg in Niederösterreichs höchste Spielklasse geschafft. Nach vier Saisonen, wobei sich die Hainburger meistens im Mittelfeld bewegten, musste 1969 der bittere Weg des Abschieds angetreten werden. Anlässlich des 50jährigen Bestehens wurde am 5. September 1970 in der Arbeiterkammer ein Mannschaftsturnier vor zahlreichen Zusehern ausgetragen, wobei die Hainburger hinter Wienerfeld den zweiten Platz belegten.
Aus finanziellen Gründen ins Burgenland
Im Jahre 1972 zog der Schachclub Hainburg, finanziell schwer erschüttert, seine Nennung aus der Liga Süd des Niederösterreichischen Schachverbandes zurück und trat aufgrund der kürzeren Anreisezeiten dem Burgenländischen Landesverband bei, wo auf Anhieb der Meistertitel der Gruppe Nord erobert werden konnte.
Im Kampf um den Burgenländischen Meistertitel gegen Südgruppenmeister Hornstein setzte es mit viel Pech eine 4 ½ : 5 ½ -Niederlage. Durch die Eskapaden des umstrittenen Schachgenies Fischer aus Amerika, der im Wettkampf gegen den sowjetischen Titelverteidiger Spassky im Jahre 1972 tatsächlich Weltmeister wurde, gab es einen unerwarteten Zuspruch von Jugendspielern. Wenn auch viele wieder abfielen, konnten die Hainburger mit Erich Rieder, Helmuth Rieder, Helmuth Moritz und Gürth hervorragende Spieler hervorbringen.
Mit der Erringung des Burgenländischen Landesjugendmeistertitels durch Erich Rieder im Jahre 1975 erreichte die Jugendarbeit der Schachclubs ihren Höhepunkt. Die vier Spieler wurden auch mehrmals in die burgenländische Jugendauswahl berufen. Als aber die Jugendlichen zum Bundesheer einrücken mussten, wurden sie vom Heeressportverein Bruck umworben und traten schließlich dem HSV Nord bei. Leider haben sie bis heute noch nicht den Weg zu ihrem Stammverein zurückgefunden.
Volksbank Hainburg als Sponsor
Bei der Generalversammlung im Jänner 1974, die Kassa war leer, wurde beschlossen, einen Sponsor zu finden. Am 24. März 1974 gelang es Obmann Konrad Uhlik sen. mit der Volksbank Hainburg einen Sponsorenvertrag abzuschließen, der den Verein aus seinen finanziellen Nöten befreite. Aufrichtiger Dank wurde der Volksbank Hainburg ausgesprochen und der Schachclub hoffte, seinen Verpflichtungen auch immer zur Zufriedenheit nachgekommen zu sein. Der Verein änderte ab diesem Zeitpunkt auch seinen Namen auf Schachclub Volksbank-Hainburg.
Im Jahre 1974 wurde die burgenländische Landesliga geschaffen, der der Schachclub Volksbank-Hainburg bis 1977 angehörte. Bei einer weiteren Neueinteilung, man gründete die burgenländische B-Liga, stiegen die Hainburger freiwillig in die 1. Klasse Nord ab. In dieser wurden die Hainburger ungeschlagener Meister und kamen in den folgenden Jahren in der B-Liga nie in Schwierigkeiten.
Derzeit liegt die Mannschaft nach dem ersten Durchgang auf dem dritten Tabellenplatz. Seit 1981 hat der Schachclub Volksbank-Hainburg eine zweite Mannschaft, die im Vorjahr in der 1. Klasse Nord den Meistertitel nur knapp um einen halben Zähler verfehlte. Auch heuer liegt die Mannschaft auf dem zweiten Platz. Um den Routinier Wohlmuth scharen sich Nikowitz, Schopf und Kien, sehr wertvolle Jugendspieler, die zu den größten Hoffnungen zählen. Im heurigen Frühjahr wurde mit Schachclub Kittsee eine Spielgemeinschaft eingegangen und wieder eine starke Mannschaft gestellt. Es ist zu hoffen – obwohl es im ersten Durchgang nicht ganz nach Wunsch ging -, dass die Mannschaft im nächsten Jahr den Aufstieg in die burgenländische Landesliga schafft.
Momentan mangelt es dem Verein an Jugendlichen, und man hofft, dass der Klub, der schon viele Höhen und Tiefen erlebt hat, wieder aus der Krise findet. Zum Abschluss richtet die Vereinsleitung an die Mitglieder die Bitte, ab Meisterschaftsbeginn im September den Spielbetrieb und das Klubleben wieder zu beleben.
Im Jahre 1986 wurde der Sponsorenvertrag von der neuen Leitung der Volksbank gekündigt und wodurch lebensnotwendiges Geld verloren ging.
Im Jahre 1983 wurde die zweite Mannschaft aus dem Bewerb gezogen. Die Kampfmannschaft hielt sich lange Jahre in der B-Liga, bis in der Saison 1991-1992 der Aufstieg in die Landesliga erreicht werden konnte.
Im Jahre 1989 stellte Kittsee den Meisterschaftsbetrieb ein und die Fusion wurde auch eingestellt. Es blieben aber mit Hornek und Fläckl zwei wertvolle Spieler beim Schachclub Hainburg. Im Jahre 1988 kamen die beiden Jugendspieler Kozicek und Auböck aus Petronell zum Verein, wobei sich besonders Kozicek zu einem absoluten Spitzenspieler entwickelte.
Nach einer Fusion mit Engelhartstetten kehrte man wieder nach Niederösterreich zurück. Von der letzten Klasse kam man in einem Durchmarsch bis in die NÖ. Landesliga, wo man sich zwei Jahre (1992-93) behaupten konnte. Nach dem Abstieg zerfiel die Mannschaft vor allem aus finanziellen Problemen. Derzeit besteht die Mannschaft bzw. der Verein nur auf dem Papier. Man hofft aber bald wieder aktiv am Meisterschaftsbetrieb teilnehmen zu können. Der größte Wunsch ist, dass sich mehr Jugendliche für das königliche Spiel interessieren.




