Ereignisse

1970 Ein Hainburger wird zum Doppelmörder

Grenzbote 5. April 1970

 

Ist der Hainburger Matoschitz

ein Doppelmörder?

(1970)

 

Nach den bisherigen vorläufigen Aussagen scheint es klar zu sein, dass der 31jährige Hain­burger Wilhelm MATOSCHITZ der Doppelmord an den Brüdern Suchentrunk in Wiener­herberg ausgeführt hat, wobei ihm die beiden anderen Mordkumpanen geholfen ha­ben.

Wer ist dieser Wilhelm Matoschitz?

Seine Eltern sind hochachtbare und brave Leute, Vater und Mutter sind Arbei­ter in der Tabakfabrik. Sie wohnen Hummelstraße 30 und eine Tochter ist in Linz verheiratet.

Das Verhalten ihres Sohnes Wilhelm deutet in seiner Jugend nicht darauf hin, dass er einmal als Doppelmörder vor Gericht stehen würde.

Kleine Lausbubenstreiche, unbedeutende Vergehen, sonst ist aus seiner Kind- und Schulzeit nichts Nachteiliges zu berichten.

Er hat das Maurerhandwerk gelernt und ging schließlich zum österreichischen Bun­desheer und wurde länger dienender Soldat.

Er war lange Zeit in der Kaserne Baden bei Wien als Kraftfahrer und hatte die Charge Zugführer. Nach anderer Version soll er sogar Feldwebel gewesen sein.

Überraschend brach er das Verhältnis zum Bundesheer ab und ist seither, das sind fast 10 Jahre, in Hainburg nur sehr selten zu sehen gewesen. Wahrscheinlich ist er in schlechte, sehr schlechte Gesellschaft geraten, so dass er schließlich dieses furchtbare Verbrechen beging.

Die Eltern, die ihre Kinder, es ist noch eine Tochter da, alles getan haben, sind tief erschüttert und können die unglaubliche Tat ihres Sohnes nicht fassen.

Auch jene Hainburger, die Matoschitz kennen, hätten ihm eine solche Tat nicht zugetraut.

* * *

Welch brutales und kriminelles Denken in vielen Kreisen unserer heutigen Ju­gend Platz gegriffen hat, zeigt wieder einmal der grauenvolle, völlig nutzlose Mord an den Brüdern Suchentrunk in Wienerherberg.

  • Schockierend für uns ist, dass der Haupttäter und damit Doppelmörder ein
  • geborener Hainburger ist, der 31jährige Wilhelm Matoschitz.

Den Plan zu diesem Verbrechen fasste der 26jährige Spengler Erich Schmidt aus Ebergassing, der über die persönlichen und häuslichen Verhältnisse der beiden sehr zurückgezogenen und recht eigenwillig lebenden Landwirte Anton und Johann Suchentrunk bestens informiert war.

Er wusste, dass die Brüder geradezu von einer krankhaften Sparsamkeit, von einem althergebrachten Misstrauen in Geldangelegenheiten besessen waren. Sie ver­trauten ihre Millionen nur teilweise dem sicheren Hort eines Geldinstitutes an, ver­bargen ihre Geldscheine lieber an den unmöglichsten Versteckplätzen im Haus, oder vergruben Geld. Oft wusste diesbezüglich ein Bruder nicht was der andere tat.

Kurios ist die Geschichte, die wir bereits in der letzten Nummer unseres Blattes geschrieben haben, dass im Werkzeugkasten einer verkauften Sämaschine 30.000 Schilling von dem einen Bruder ohne Wissen des anderes versteckt waren. Der andere verkaufte das Gerät. Nun ging die brüderliche Jagd nach dem versteckten Geld los. Es gelang ihnen sie Sämaschine noch „einzuholen“ und das Geld zurückzu­kriegen.

 

Wie geschah aber der Mord?

 

Für die Mordnacht besorgte Mordkumpane Leopold Dolezal, 26, Wien, einen Ci­troen-Wagen , da er davon besonders viel verstand, war er doch Mitglied einer, auf solche Fahrzeuge spezialisierten Diebbande. Schmidt, Dolezal und Matoschitz fuhren nun mit den gestohlenen Wagen. Ein weiterer Mitwisser dieses Mordes wurde ange­zeigt. Als das Mördertrio mit ihrem Fahrer nun in Wienerherberg ankam, stülpten sich die Männer Strümpfe über die Köpfe, um unkenntlich zu sein. Dann betraten sie das Anwesen der Brüder Suchentrunk. Im Hof trat ihnen Anton Suchentrunk entge­gen. Matoschitz machte nicht viel Umständen und schlug den alten Mann mit einem Knüppel nieder.

Es ist bisher nicht erwiesen, ob der Bauer, es war gegen 2 Uhr früh, schon zur Arbeit in den Stall wollte, oder ob er durch verdächtige Geräusche geweckt aus dem Haus trat.

Der Schwerverletzte wurde in die Küche gezerrt und vorerst liegen gelassen. Man drang nun in das Schlafzimmer ein, wo Johann Suchentrunk rief: „Bist du schon auf?“ Er war in der Meinung seinen Bruder vor sich zu haben.

Blitzschnell presste ihm Schmidt ein Kissen auf das Gesicht und wieder war es Matoschitz, der den um Luft ringenden Mann mit dem gleichen Knüppel erbarmungs­los auf den Kopf schlug.

In der Zwischenzeit hatten die anderen den Tresor in der Wohnung entdeckt und wollten nun von den beiden Schwerverletzten wissen, wo der Schlüssel dazu aufbewahrt sei. Beide gaben ihr Geheimnis nicht preis! Sie schwiegen und starben dafür! Zwei Männer, die ein ganzes Leben schwer gearbeitet hatten und sich selbst nichts aber schon nichts gönnten, starben, um die für sie doch nutzlosen Scheine behalten zu können. Es ist allerdings die Frage, ob die Mörder ihnen das Leben gelassen hätten, wenn die Brüder den Kassenschlüssel hergegeben hätten.

In der Folge erschlugen die Eindringlinge die beiden Suchentrunk. Die Beute, die dieser Doppelmord für die Mörder brachte, ist nach den bisherigen Ermittlungen sehr gering, denn der Tresor widerstand allen Aufbrechbestrebungen. Größere Geldbeträge und auch die Sparbücher wurden aber nicht gefunden.

 

Wie kam es nun zur Aufdeckung des Mordes?

 

Schmidt und Dolezal wurden in der Folge schnell aufgespürt, da man genau wusste, nur ein Ortskundiger konnte über die Verhältnisse bei Suchentrunk Genaues wissen. Die Gendarmerie ermittelte bald den Ebergassinger Schmidt, der obendrein noch abgängig war und man hörte, dass er sich mit Vorliebe in der Nähe des Südbahnhofes in Wien aufhalte. Außerdem soll aus der Wiener Unterwelt ein Hinweis gekommen sein, dass Schmidt und Dolezal tatsächlich am Südbahnhof herumstrolchten. Die Kriminalpolizei hatte vollen Erfolg.

Nach der Verhaftung der beiden war nur noch Matoschitz dingfest zu machen, der sich, da er die Ausweglosigkeit seiner Situation erkannte, in der Nacht von Freitag auf Samstag im Wachzimmer Lisztgasse Wien-Landstraße, mit den Worten stellte: „Verhaften Sie mich, ich bin der gesuchte Mörder.“

Empörend und frech ist die Stellungnahme Matoschitz bei der ersten Einvernahme, der erklärte: „Man hat mir das Morden beim Bundesheer beigebracht“. Er hatte tatsächlich eine Rangerausbildung mitgemacht, d. h. eine Spezialausbildung für den Kampf Mann gegen Mann.

90 Prozent der männlichen österreichischer Bevölkerung ist im Schießen ausgebildet, ohne deswegen Mörder zu werden. Matoschitz will aber ein „Opfer“ seiner militärischen Ausbildung sein.